Im Juni 1907 bekam Martin Elsaesser auf Empfehlung des Evangelischen Konsistoriums den Auftrag, für den neuen Schwenninger Industriearbeiter-Stadtteil „Neckarvorstadt“ einen aus drei Gebäuden bestehenden Gesamtentwurf für Kirche, Pfarrhaus und Kleinkinderschule im „neuen Stil“ zu erarbeiten. Doch erst im März 1909 konnte das Baugesuch eingereicht und im folgenden Juni mit der Realisierung des um die Kleinkinderschule reduzierten Projekts begonnen werden. Bei dem 398 Sitzplätze fassenden Gotteshaus aus Backstein-Sichtmauerwerk handelt es sich um das Beispiel eines im Inneren relativ reich ausgestatteten Betsaals, bei dem Elsaesser sämtliche Einrichtungsgegenstände selber gestaltete. Die Einweihung konnte etwas über ein Jahr später im Juli 1910 gefeiert werden.

 Schwenningen


Mit den Renovierungen von 1926 und 1956 verlor das Innere die ursprüngliche Farbigkeit; 1956 wurden die Fenster an der Stirnseite oberhalb der Apsis vermauert, um die Wandgemälde von Rudolf Yelin aufzunehmen. Erst die 1978 ausgeführte Instandsetzung bemühte sich um den Original-Charakter. Die Pauluskirche Schwenningen wurde 1994 unter Denkmalschutz gestellt und ist der einzige der Betsäle Martin Elsaessers, der im Vergleich mit Kircheim Teck (Christuskirche) und Tübingen (Eberhardskirche) in seiner baulichen Substanz relativ unverändert erhalten ist. Im Gegensatz zu diesen Parallelbauten wird in der relativ profanen Gesamtwirkung des Schwenninger Betsaals mit einem untersetzt wirkenden Turm, der sich im Glockengeschoss zu einer offenen Laube öffnet, ein gewisser sakraler Akzent gesetzt.

Schwenningen innen

Zusammen mit dem Betsaal wurde das geplante Pfarrhaus errichtet, wobei beide Bauten ursprünglich auf einer Fluchtlinie nahe beieinander stehen sollten. Im reduzierten und realisierten Projekt ließ Elsaesser das Pfarrhaus mit etwas mehr Abstand auf das Grundstück zurücktreten und das Gebäude mit dem Eingang parallel zur Kirche drehen. Beide Gebäude sollten durch einen architektonischen Garten miteinander verbunden werden. Das zweistöckige Pfarrhaus ist wie die Kirche ein schlichter, kubischer und dunkelroter Ziegelsteinbau. Es wird durch einen Felsmauersockel, einen Portalbogen aus Sandstein sowie einen halbrunden Eckerker und zwei weitere flache Erker gegliedert. Das Pfarrhaus wurde 1994 grundlegend saniert und zusammen mit der Kirche unter Denkmalschutz gestellt.

Schwenningen PfarrhausPfarrhaus

 

 

 

 

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