Die 1908 entworfene und am 16. Oktober 1910 eingeweihte Pfarrkirche von Reicheneck in Reutlingen ist ein reines Holzbauwerk. Sie hat die Anmutung eines Betsaals und gehört mit ihren 174 Sitzplätzen zu den bescheideneren Dorfkirchen von Martin Elsaesser. Er bediente sich zur Konstruktion des Baus, der anstatt eines Turms einen Dachreiter erhielt, einer Fachwerktechnik, die im süddeutschen Raum keine Tradition hatte. Die Regelmäßigkeit und Vertikalität der Gefache verleiht dem Gebäude zugleich Strenge und Leichtigkeit. Die Ästhetik entwickelt sich aus der Verbindung von Zweck- und Kunstform. Das Vorbild stellt die englische Landhaus-Architektur dar, wie sie um 1908 als Reformansatz rezipiert wurde.

Reicheneck innen©E. Spitzbart

Der nur 15,40 m auf 9,45 m große Kirchenbau umschließt einen rechteckigen, mit Satteldach gekrönten Gemeinderaum, ein an der südlichen Schmalseite anschließenden Altarhaus und eine Sakristei mit Nebeneingang, die sich als westlicher Anbau in den Winkel zwischen Gemeinderaum und Chor einpasst. Zum einschiffigen Saal gehören die Chornische und eine gegenüberliegende Empore. Ein Mittelgang trennt zwei Reihen Holzbänke. Die Gestaltung und Ausstattung wurden in den zurückliegenden Jahrzehnten verschiedentlich überarbeitet und verändert. Ende der 1980er Jahre erhielt die seit 1985 denkmalgeschützte Kirche den postmodern angepassten Anbau eines Gemeindehauses. 1999 wurde das Kirchengebäude renoviert. Zum 100-jährigen Einweihungsjubiläum erschien eine kleine Broschüre.

 

 

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