Nachdem Martin Elsaesser schon 1906 erfolglos an dem Wettbewerb um die „Ostkirche“ (Johanneskirche) in Esslingen teilgenommen hatte, kam er 1919 bei der „Südkirche“ zum Zug. Der Bauplatz in starker Hanglage war bereits 1914 erworben worden. Erst mit Ende des Ersten Weltkriegs wurde Martin Elsaesser als Bausachverständiger des Vereins für christliche Kunst herangezogen. Für das schwierige Baugrundstück fertigte er einen Entwurf, der zunächst 1919 im Christlichen Kunstblatt als „Kleine Volkskirche“ veröffentlicht wurde. Doch das Bauvorhaben verzögerte sich, da die Inflation die angesparte Bausumme zunichte machte. Erst Ende Mai 1925 begann die krisenhafte Baugeschichte. Unvorhergesehene Gründungsmaßnahmen erforderten tiefer reichende Stahlbetonsubstruktionen. Die Kosten stiegen um ein Vielfaches des vorgesehenen Budgets. Martin Elsaesser, der inzwischen zum Baudirektor in Frankfurt am Main berufen worden war, konnte für die Dekoration der 927 Sitzplätze fassenden Kirche seine Beziehungen als ehemaliger Direktor der Kölner Kunstgewerbeschule einbringen. Die Fertigung sämtlicher keramischer Arbeiten und der Lampen wurden bei den Kölner Werkschulen in Auftrag gegeben. Die Thematik für den figürlichen Schmuck wie die Texte auf dem Kanzelkorpus und die Zwölfersymbolik im Gewölbe der Feierkirche wurden von Pfarrer Otto Riethmüller in künstlerischer Abstimmung mit Elsaesser konzipiert.

EsslingenFoto: Rose Hajdu

Die Einweihung der Esslinger Südkirche fand am 14. November 1926 statt. Sie gehört zu den bedeutendsten Sakralbauten Martin Elsaessers. Mit ihr verwirklichte er erstmals die programmatische Trennung von Feier- und Predigtkirche. Die kleine Feierkirche gestaltete Elsaesser mit einem expressionistischen Rippengewölbe als einen intimen Sakralraum, während die Predigtkirche als longitudinaler Kastenraum ausgebildet wurde. Zwischen den Räumen liegt der von beiden Seiten benutzbare Altar. Unter dem Kirchenschiff befinden sich ein Gemeinde- und ein Konfirmandensaal.

EsslingenFoto: Rose Hajdu

Das Äußere des Baus wird durch Backsteinmauerwerk mit Horizontalverfugung geprägt. Gliedernde Strebepfeiler und Wasserspeier geben dem ansonsten sachlich gehaltenen Gebäude eine mittelalterliche Anmutung. Zu der Baugruppe gehört auch ein abgeknickt angefügtes Pfarrhaus, das Elsaesser trotz des einheitlichen Backsteinmaterials als eigenständigen Baukörper formte. Über Eck laufenden Fenstergesimse betonen den profanen Charakter und nehmen bereits ein Motiv des Neuen Bauens auf.

Esslingen PfarrhausEsslingen Pfarrhaus Foto: Rose Hajdu

 

Ausstattung:

Dorkas Reinacher-Härlin: Kanzeltragende Engel, Vorhallen-Supraporte

Maria Hasenmeier-Eulenbruch: Altar Kreuzigungsgruppe

Martin Elsaesser: Entwurf Glasmalereien Feierkirche (Ausführung Fa. Saile, Stuttgart)

 

Alle Fotos: Rose Hajdu

Zu dieser Kirche gibt es ein Bauheft aus dem Schaff-Verlag

 Bauheft_SKE

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