1908 wurde Martin Elsaesser mit einem Gutachten und Entwürfen zur Renovierung der hochmittelalterlichen Kirche „Zu unserer Lieben Frauen“ in Münster am Kocher beauftragt. Doch mussten der geplante Anbau einer kleinen Sakristei an der Südseite und ein Umbau der Emporen wegen Finanzierungsproblemen verschoben werden. Ein Erdbeben (1912) vermehrte die baulichen Mängel. Elsaesser bot darauf an, mit der parallelen Sanierung der Kirche in Eschach Kosten zu sparen. Im April 1914 konnte mit dem Umbau begonnen werden. Der Innenraum wurde nun komplett umgestaltet. An die Stelle der hölzernen Westempore setzte er eine steinerne, auf Säulen ruhende Bogenarchitektur. Der Chor erhielt einen ähnlich gestalteten Einbau als Orgelempore. Unter diesem ‚Gehäuse‘ entstand ein intimer Raum. Obwohl er heute nur mit Kirchenbänken gefüllt ist, realisierte Elsaesser damit erstmals das Konzept einer Trennung von Predigt- und Feierkirche. Der Altar steht unter dem Chorbogen und kann von beiden Räumen benutzt werden, die Kanzel richtet sich dagegen einseitig auf das Langhaus als Predigtkirche aus. Diese Konstellation weist auf die Esslinger Südkirche, während die leicht expressionistische Emporenarchitektur in der Nachfolge der Gaisburger Stadtpfarrkirche zu sehen ist.

Münster am Kocher innenFoto: Rose Hajdu

Entgegen den Plänen von 1908 kam die Sakristei nun an die Nordseite und wurde mit einem Konfirmanden-Saalbau verbunden. Eine aus dem Kirchenraum stammende Nische mit gotischen Spitzbogen baute Elsaesser zum Sakristeifenster um. Viele Gestaltungsdetails, wie die eleganten Beleuchtungskörper oder Kirchenstühle, sind baugleich mit denen der Kirche in Eschach. Trotz des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs konnte die Kirche am 8.11.1914 eingeweiht werden.

Esslingen innenFoto: Rose Hajdu


Die Arbeiten des Bildhauers Christian Scheuffele an den Emporenbrüstungen blieben wegen dessen Tod im Krieg unvollendet; Elsaesser hatte empfohlen, diesen Zustand als Mahnung so zu belassen. Er selber schuf 1921 einen Kriegergedenkstein auf dreieckigem Grundriss, der auf der Südseite aufgestellt wurde. 1925 wurde die Kirche unter Denkmalschutz gestellt. Um 1961/62 fand eine Modernsierung statt, doch die Renovierung von 1984 bis 1988 berücksichtigte den Zustand von 1914 als Richtschnur der notwendigen Arbeiten.

Ausstattung: Christian Scheuffele: Szenen der Weihnachtsgeschichte (Brüstungsfelder/Empore).

 Alle Fotos: Rose Hajdu

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